So hat alles begonnen

Speiselokal war eigentlich als Bildungsinitiative gedacht, die Menschen ermuntern sollte, das zu essen, was rund um uns wächst und möglichst direkt bei ProduzentInnen einzukaufen. Das war 2010. Die Idee, saisonale Produkte direkt bei BäuerInnen zu beziehen, gefiel den meisten Menschen. Aber, es kamen immer wieder Zweifel und dieselben Fragen auf: Habe ich Zeit, alle BäuerInnen abzuklappern? Macht das denn Sinn (Transportwege)? Wo finde ich die Höfe, die ab Hof Verkauf anbieten? Bekomme ich auch das, was ich brauche?

Und dann kam die Idee und Bitte: Wäre es nicht möglich, dass die BäuerInnen zu einer Abholstelle liefern? Wer könnte so etwas organisieren? In Zuge unserer Recherchen, stießen wir auf das Netswerk Nachhaltig Leben in Steyr. Von ihm haben wir letztlich die Verkaufslogistik (Bestellung über Webshop und wöchentliche Abholung) und Software übernommen. Dann ging es los: Wir haben BäuerInnen besucht und konnten die meisten für unsere Idee begeistern. Eva Hieret hat uns bereitwillig ihren ehemaligen Lagerraum zur Verfügung gestellt. Das war 2011. Zwei Jahre später wurde es uns zu eng am 3er Hof und wir haben unsere Abholstelle in Neulengbach eröffnet.

Das ist Speiselokal geworden

Seit 2011 beliefern uns das ganze Jahr über BäuerInnen und handwerkliche Betriebe mit Milchprodukten, Fleisch, Fisch, Getreide, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse aus der nahen niederösterreichischen Umgebung, manches kommt aus Oberösterreich, der Steiermark, Tirol oder gar Vorarlberg. Eigentlich gibt es alles, was man so zum Leben braucht. Mit den meisten ProduzentInnen arbeiten wir seit Beginn unsere Initiative zusammen und haben engen, persönlichen Kontakt. Manche Produkte brauchen aus logistischen Gründen (Wie kommen die guten Dinge zu uns?) den Zwischenhandel – aber auch da kennen wir in der Regel die Produzentinnen persönlich, wenn auch der direkte Kontakt spärlicher ist.

Darum machen wir das

Die Fülle, Vielfalt und Schmackhaftigkeit saisonaler Lebensmittel fasziniert uns und die direkte Zusammenarbeit mit den BäuerInnen, VerarbeiterInnen und kleinen HändlerInnen macht große Freude. Auch der direkte Kontakt mit KonsumentInnen ist bereichernd.

Unsere Produkte stammen aus biologischer Landwirtschaft, manchmal auch aus umliegenden Hausgärten, die nach biologischen Kriterien wirtschaften. Das fördert insbesondere die Gesundung und Gesundhaltung der Böden, die die wesentliche Grundlage der Lebensmittelversorgung sind.

Das Bestell-System ermöglicht es, weitgehend nach Bedarf zu produzieren. So vermeiden wir Überproduktion und Lebensmittelmüll seitens der Produktion. Das Bestellsystem erfordert Planung und Monitoring (Was verbrauche ich denn im Laufe der Woche?) – das reduziert den Lebensmittelmüll seitens der KonsumentInnen.

Das meiste wird in großen Gebinden geliefert – so sparen wir Verpackungsmaterial und es ist möglich, genau so viel zu kaufen, wie man gerade braucht, wodurch wiederum zuhause weniger Lebensmittelmüll anfällt.

Die Diskussionen rund um Ernährung, Nachhaltigkeit und Gesundheit sind vielfältig

Die Fragen sind oft einfach: Ist es besser lokale Bio-Glashausparadeiser zu essen, oder sollten es doch italienische Freilandparadeiser aus konventionellem Anbau sein? Die Antworten sind meist komplex: Betrachtet man nur den CO2 Rucksack der beiden Paradeiser, so macht es mehr Sinn, die italienische Paradeiser zu essen. Aber was bedeutet die jeweilige Anbaupraxis langfristig für den Boden oder für die lokalen Bauern und Bäuerinnen? Welche wirtschaftlichen Abhängigkeiten werden erzeugt? Welche Preise werden gezahlt? Wer bestimmt, welche Paradeiser angebaut werden? Was macht der Transport mit dem Produkt?

Es macht daher Sinn im Rahmen derartiger Frage- oder Problemstellungen, ökonomische, ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen und die gesamte Lebenszeit eines Produktes zu berücksichtigen, sprich die landwirtschaftliche Produktion, die Verarbeitung, Verpackung, Lagerung, den Verkauf, den Konsum und die Entsorgung.

Wir sehen es kurz gesagt so

Der Genuss von lokalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln tut dem Boden gut, weil er genährt und nicht ausgelaugt wird. Er tut dem Klima gut (solange keine Glashäuser beheizt werden und nicht zu viel und zu lange gekühlt wird), weil er einen geringeren CO2 Rucksack trägt bzw. kann die Bodenpflege und -nutzung des biologischen Landbaus nachweislich den CO2 Ausstoß verringern. Der Genuss von lokalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln fördert die lokale, kleinräumige und ökologische Landwirtschaft und Wirtschaft, schafft Nähe und spürbar wechselseitige Verantwortung zwischen VerbraucherInnen und ProduzentInnen. Verbunden mit solidarischen Preisen wirkt eine lokale, ökologische Ernährung – auch auf globaler Ebene – ökonomischen Abhängigkeiten, Armut und Hunger entgegen.

Und noch ein Stück weiter gedacht

Wenn wir gemeinsam die ökologische (Land)Wirtschaft vor Ort stärken und neue, solidarische Verteilungssysteme ins Leben rufen, bauen wir Strukturen, die nicht nur vor Ort, sondern weltweit Nahrungsmittelsicherheit, Vielfalt und Selbstbestimmtheit und damit Ernährungssouveränität ermöglichen. Wir schaffen und erhalten derart Alternativen zur Agro-Industrie und den Supermarktketten und ein soziales Netzwerk, das Mensch und Natur wertschätzt. Wir alle gestalten unser System der Lebensmittelversorgung!